Activity Based Working (ABW) verspricht mehr Produktivität, bessere Gesundheit und höhere Zufriedenheit. Doch was sagt die Forschung wirklich? In diesem Blog-Artikel beleuchten wir die wissenschaftliche Evidenz und zeigen, worauf Organisationen achten müssen, damit ABW nicht nur modern aussieht, sondern auch nachhaltig wirkt.
Activity Based Working ist ein Arbeitskonzept, das Mitarbeitenden erlaubt, je nach Tätigkeit zwischen verschiedenen Raumzonen zu wechseln – etwa für konzentriertes Arbeiten, kreative Meetings oder informellen Austausch. Ziel ist es, die Arbeitsumgebung flexibel und bedarfsorientiert zu gestalten. ABW steht damit für eine neue Haltung gegenüber Arbeit: weg vom festen Arbeitsplatz, hin zur situativen Wahlfreiheit.
Was sagt die Forschung? – Ein differenziertes Bild
Die wissenschaftliche Evidenz zu ABW ist umfangreich, aber nicht eindeutig. Studien zeigen, dass ABW gegenüber klassischen Grossraumbüros meist besser abschneidet. Rückzugsorte und reduzierte Störungen fördern die Produktivität. Dies zeigt etwa die Studie von Palvalin (2024), die ABW als klar überlegen gegenüber offenen Büroformen beschreibt.
Doch im Vergleich zu Einzel- oder Kombibüros zeigt sich kein systematischer Vorteil. Die Ergebnisse reichen von «gleich gut» bis «leicht schlechter» – abhängig von Aufgabenprofil, Raumqualität und Umsetzung. Eine systematische Review von Masoudinejad und Veitch (2023) zeigt: Nur 20 % der untersuchten Fälle verzeichneten Produktivitätsgewinne, 60 % keine Veränderung und 20 % sogar Verluste.
Gesundheit und Wohlbefinden: Nur mit Passung
Auch beim Thema Gesundheit zeigt sich: ABW kann positive Effekte haben – etwa mehr Bewegung, geringeres Burnout-Risiko und bessere Erholung (Appel-Meulenbroek et al., 2020). Aber diese Effekte treten nur dann auf, wenn das Setting als passend empfunden wird. Studien wie jene von Tulenheimo-Eklund et al. (2025) belegen, dass ein hoher Person-Umwelt-Fit entscheidend ist.
Wo dieser fehlt – etwa durch Lärm, mangelnde Privatsphäre oder soziale Fragmentierung – können Engagement und Zufriedenheit sogar sinken. Die Studie von Engelen et al. (2019) spricht von «begrenzter und inkonsistenter Evidenz» für Leistungs- oder Gesundheitsvorteile.
Was macht ABW erfolgreich? – Drei zentrale Faktoren
- Person-Umwelt-Fit: Zonenvielfalt allein reicht nicht. Mitarbeitende müssen tatsächlich passende Plätze für ihre Tätigkeiten finden – sonst bleibt die Flexibilität nur theoretisch (z.B. Appel-Meulenbroek et al., 2020, Palvalin, 2024).
- Führung und Change-Management: Vertrauensbasierte Führung, transparente Regeln und partizipative Planung sind entscheidend. Studien zeigen, dass unterstützende Führung Produktivitätsverluste beim Umzug deutlich abfedern kann (z. B. Bergsten, Wijk & Hallmann, 2021, Hansson et al., 2025; Larsson et al., 2022).
- Akustik und Ergonomie: Mobile Akustikelemente, reservierbare Fokusräume und individuell einstellbare Möbel sind laut mehreren Studien Basisvoraussetzung für gelingendes ABW. Ohne diese Elemente drohen Störungen und Unzufriedenheit.
Grenzen und offene Fragen
Trotz vieler Studien bleiben zentrale Fragen offen. Langfristige Leistungsdaten fehlen weitgehend, hybride Modelle (Homeoffice und ABW) wurden bisher kaum systematisch untersucht, und die Balance zwischen spontaner Kollaboration und konzentriertem Arbeiten ist noch nicht klar messbar.
Die Aussage, dass ABW grundsätzlich effizienter, effektiver oder gesünder sei, lässt sich daher nicht pauschal belegen. Die Forschung zeigt vielmehr: Unter optimalen Bedingungen und bei passendem Person-Umwelt-Fit kann ABW gleichwertige oder moderat bessere Ergebnisse erzielen – insbesondere gegenüber klassischen Grossraumbüros. Gegenüber Einzel- oder Kombibüros ist der Vorteil deutlich schwächer oder fehlt ganz.
Fazit: Raum wirkt – wenn Kultur und Struktur mitziehen
Activity Based Working ist kein Allheilmittel, aber eine echte Chance. Entscheidend sind die Rahmenbedingungen: Raumgestaltung, Führungskultur und Change-Management müssen ineinandergreifen. Nur dann kann ABW sein Potenzial entfalten – als Arbeitsumgebung, die nicht nur flexibel ist, sondern auch wirksam.
Ihre Organisation befindet sich im Wandel oder Sie planen den Wechsel zu ABW? Lassen Sie uns gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, damit Raum wirklich wirkt – für mehr Produktivität, Gesundheit und Zufriedenheit.
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Literatur:
Appel-Meulenbroek, R., van der Voordt, T., Aussems, R., Arentze, T., & Le Blanc, P. (2020). Impact of activity-based workplaces on burnout and engagement dimensions. Journal of Corporate Real Estate, 22(4), 279–296.
Bergsten, E. L., Wijk, K., & Hallman, D. M. (2021). Relocation to activity-based workplaces (ABW) —Importance of the implementation process. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18(21), 11456.
Engelen, L., Chau, J., Young, S., Mackey, M., Jeyapalan, D., & Bauman, A. (2019). Is activity-based working impacting health, work performance and perceptions? A systematic review. Building Research & Information, 47(4), 468–479.
Hansson, J., Vinberg, S., Wall, E., & Löfstrand, P. (2025). The transition to an activity-based workplace: Experiences of managers and employees from a sense of coherence perspective in public sector workplaces. PLOS ONE, 20(3), e0320324.
Larsson, J., Vinberg, S., & Jahncke, H. (2022). Changing the office design to activity-based flexible offices: A longitudinal study of how managers’ leadership behaviours are perceived. International Journal of Environmental Research and Public Health, 19(20), 13557.
Masoudinejad, S., & Veitch, J. A. (2023). The effects of activity-based workplaces on contributors to organizational productivity: A systematic review. Journal of Environmental Psychology, 86, 101920.
Palvalin, M. (2024). Knowledge work productivity in an activity-based workplace: A comparative analysis. Journal of Corporate Real Estate, 26(4), 331–346.
Tulenheimo-Eklund, E., Haapakangas, A., Hirvonen, M., Ruohomäki, V., & Reijula, K. (2025). Perceptions of activity-based offices are associated with employee well-being and self-reported work ability in hybrid work: A cross-sectional study. Journal of Occupational Health, 67(1), uiaf027.
