Viele Jugendliche starten mit grosser Motivation in die Berufswelt und treffen auf ein Umfeld, das wenig Raum für Unsicherheit oder Fehler lässt. Statt Orientierung erleben sie oft Überforderung: neue Abläufe, neue Rollen, neue Erwartungen. Gleichzeitig fehlen ihnen Strategien, um mit Druck umzugehen. Die Folge: Rückzug, Selbstzweifel, psychosomatische Beschwerden – oder im schlimmsten Fall ein Ausbildungsabbruch.
Immer mehr Jugendliche erleben bereits in der Ausbildung oder beim Berufseinstieg hohen psychischen Druck. Laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (2025), an welcher über 44’000 Lernende in der Schweiz teilgenommen haben, geben 61 % an, während der Lehre psychische Probleme zu erleben. Ein alarmierender Wert, der zeigt: Stress ist für viele junge Menschen ein ständiger Begleiter im Arbeitsalltag. Oft können Jugendliche ihre Belastung lange nicht benennen, weil sie glauben, «nicht gut genug» zu sein. Dabei ist es gerade in dieser Lebensphase entscheidend, dass sie lernen, mit Herausforderungen umzugehen und dass sie dabei begleitet werden.
«Die Gen Z ist nicht belastbar» – oder einfach ehrlich?
Der Vorwurf, junge Menschen seien zu sensibel oder nicht arbeitswillig, ist weit verbreitet und gleichzeitig gefährlich. Denn er verhindert echte Auseinandersetzung mit den strukturellen Problemen. Die Gen Z spricht offen über mentale Gesundheit, stellt Fragen nach Sinn und Balance und wird dafür oft belächelt.
Laut der Pro Juventute Jugendstudie 2024 empfinden über 30 % der Jugendlichen Leistungsdruck und hohe Anforderungen in Schule, Ausbildung oder Arbeit als häufige Stressquelle. Gleichzeitig machen sich viele Sorgen um ihre psychische Gesundheit: ein Thema, das sie aktiv ansprechen, während ältere Generationen es oft verdrängen. Doch genau diese Offenheit ist eine Ressource. Sie zeigt, dass junge Menschen nicht weniger leisten wollen, sondern gesünder. Und das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Reflexionsfähigkeit.
Eine aktuelle Studie der Universität St. Gallen (HSG, 2025) zeigt deutlich: Die Gen Z bringt andere Erwartungen an die Arbeitswelt mit als frühere Generationen. Für sie stehen Sinnhaftigkeit, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung im Vordergrund und nicht Status oder reine Leistungsorientierung.
Ausbildner:innen und HR als Schlüsselpersonen
Eine gute Begleitung in der Ausbildung ist entscheidend. Es braucht Bezugspersonen, die nicht nur Leistung fordern, sondern auch zuhören, Rückhalt geben und Entwicklung ermöglichen. Nadia De Paola ist Junior Coach und Integrationsberaterin bei der nw GmbH und weist darauf hin, dass Tools wie regelmässige Check-ins, Feedbackgespräche oder psychologische Ersthilfe hilfreich seien: «Diese Tools sind aber nur wirksam, wenn sie von einer echten Haltung getragen werden: Jugendliche sind keine «kleinen Erwachsenen», sondern Menschen in Entwicklung.»
Stressprävention ist Beziehungsarbeit
Was junge Menschen im Arbeitsleben stärkt, ist nicht Härte, sondern Beziehung. Wer sich gesehen, gehört und ernst genommen fühlt, entwickelt Selbstvertrauen und damit auch Belastbarkeit. Coaching kann hier ein wichtiges Bindeglied sein: zwischen Jugendlichen, Betrieben und Systemen. Denn wer heute in die psychische Gesundheit junger Arbeitnehmender investiert, gewinnt morgen motivierte, resiliente Fachkräfte.
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